Wir leben in einer lebenswerten Gemeinde.Für alles hat sie gesorgt: Für Schulen, das Einkaufen, den Sport, den Verkehr, für Stadtfeste.
Fehlt da zur Lebensqualität etwa noch etwas? Alle anderen Städte würden dies bejahen. Die Berliner und die Potsdamer bauen ihre Stadtschlösser, die Weseler ihr Rathaus von 1485 aus dem Nichts wieder auf, die Dresdner haben es getan, die Havixbecker sichern ihre Burg Hülshoff auf Dauer, die Lüdinghauser auch. Und, und, und.
Keine politische Mehrheit kam dort auf den Einfall, dass man Steuermittel nicht hätte verwenden dürfen. Sie war sich vielmehr sehr sicher, dass die Baukultur mit ihren handwerklichen und architektonischen Spitzenleistungen früherer Generationen ein Standortfaktor ist, der den Bürgerinnen und Bürgern es nicht nur erlaubt, über den Rand des zeitgenössischen Bauens zu blicken, sondern Bauwerke zeitloser Schönheit vielfältig zu nutzen. In diesem Bewußtsein haben sich diese Städte, die durchweg nicht Sendens Wohlstand und nicht wie dieses nur ein einziges pflegebedürftiges Baudenkmal haben, in der Pflicht gesehen, Steuermittel auszugeben.
Für die Nutzung des Schlosses fällt mir sofort etwas ein: Bisher muss ich für die Ausrichtung einer Feier, für den Besuch eines Biergartens, für die Unterbringung von Gästen nach Münster oder anderswohin fahren.
Sparsame Haushaltsführung ist eine Tugend, die Nichtwahrnehmung von Chancen ihr Gegenteil.
Also möge die Gemeinde das Areal kaufen, Fördermittel einwerben, das historische Drittel der Anlage herrichten und verpachten und den Rest angemessen neu bebauen und nutzen!
Michael Wehner, Erlengrund 110
(WN, 26.1.2012)