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SENDEN

...an Herrn Alfons Hues

an Herrn Alfons Hues, stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Senden, Vorsitzender CDU-Gemeindeverband, Mit-Herausgeber des „Blickpunkt Senden“ .

Sehr geehrter Herr Hues,

die Mitteilungen der CDU - Blickpunkt Senden - befassen sich im Schwerpunkt mit dem Thema Schloss.

Anerkennung und Freude möchte ich darüber zum Ausdruck bringen, dass Sie sich diesem Thema stellen. Anerkennung auch, dass in Ihrer Fraktion Stimmen für den grundsätzlichen Erhalt des Schlosses zugelassen werden. Weniger erfreulich Ihre Insinuation, wir von der Schlossinitiative (ISS) können nur „Träumer und Erbauer von Luftschlössern“ sein und redetet einer leichtfertigen Gefährdung des Haushalts das Wort. Entschieden wehren wir uns gegen diesen Eindruck; Sie sollten uns den verantwortlichen Umgang mit dem Thema nicht absprechen.

Bislang verfolgte die ISS gegenüber allen politischen Parteien, der Gemeinde und allen anderen Einrichtungen eine Politik der Verständigung und Kooperation; wir vertreten ein ausgesprochenes Senden freundliches Konzept. Dass aber uns nach vermehrter Öffentlichkeitsarbeit nun an Diffamierung grenzende Töne entgegen schallen, erbost uns, suggeriert es doch, wir stünden für einen unseriösen Umgang mit Geld (im Gegensatz zu Ihnen). Dazu möchte ich Stellung beziehen.

Natürlich will niemand unverantwortliche finanzielle Abenteuer. Natürlich ist in Zeiten knapper finanzieller Ressourcen und auch grundsätzlich bei allen Maßnahmen Verantwortung gefragt; man kann sich aber auch verstecken. Bei den schwindelerregenden Summen, bei denen man sich wundert, woher sie alle kommen, und vor allem, wohin sie alle fließen, könnte einem schon bange werden. So stellt man einen Trend in die Sachwerte fest, vor allem Immobilien. Bezogen auf das Schloss: selbst wenn man mit selbigem nichts anfangen könnte: allein das Grundstück und den Zugriff auf die Gestaltungshoheit darf man – gerade wenn man nur ans Geld denkt – gerade heute nicht liegen lassen.

Dass Senden mit Immobilien flott umgehen kann – manchmal allzu flott – ist offensichtlich. Dabei geht es um relativ risikolose und gewinnorientierte Maßnahmen. Dieses Denken wird auch an das Projekt Schloss angelegt. Wenn man es also erwerben und betreiben solle, muss es etwas abwerfen oder zumindest kein Minus bringen: die ausschließlich wirtschaftliche Betrachtungsweise. Dass es so nicht zu bewältigen ist, zeigen alle bisherigen abgesprungenen potentiellen Investoren. Es müssen also andere - gemeinnützige nicht profitorientierte und nicht oder nur gering von Senden finanzierte Modelle her; und die gibt es.

Eines davon könnte sein das vom Gemeindeentwicklungsausschuß nun endlich zur Berechnung – nicht Bewilligung – freigegebene Konzept im Rahmen der Regionale 2016 Kultur - Bildung - Kunst sein. Aber wie es scheint halbherzig und widerwillig. Ob man die avisierte Teilnahme an der Regionalen 2016 mit diesem Arbeitstempo und dieser Motivation noch erreicht, ist recht fraglich. Dahinter steht die öffentliche Förderung mit hohem Anteil (ein noch höheren als durch die Regionale hat man durch Zuwarten schon längst verpasst, zudem vermehren sich mit jedem weiteren Jahr des Nichtstuns die Kosten des Wiederaufbaus). Wie kommt es nur, dass CDU-Verbände in benachbarten Orten nur den Kopf schütteln, wenn man die Situation hier im Rat anspricht? Wie kommt es, dass der
LWL, das Amt für Denkmalschutz, die Kreis-CDU und auch das Gutachterbüro hilflos mit den Achseln zucken, wenn es auf das Thema Umgang mit der Schlossfrage hier in Senden kommt?

Das Konzept der Regionalen, welches die Gemeinde verfolgt, beinhaltet im Übrigen auch das Annehmen von Steuergeldern, was Sie ja eigentlich ablehnen. Zu diesem Stichwort aber unten mehr.

Eine weitere Option neben der konsequenten Verfolgung der Regionalen wäre die Errichtung einer Bürgerstiftung: „Senden und sein Schloss“. In Kürze: eine Stiftung kann das Projekt Schloss zum Katalysator einer Gemeindeentwicklung machen, ein Punkt der Identifikation einschließlich einer wirtschaftlichen Entwicklung. Das Schloss kann also etwas für den Ort tun und nicht nur umgekehrt. Gerne nennen wir gelingende Beispiele und Kontaktadressen anderer Projekte und Gemeinden.

Eine Bürgerstiftung kann von der Gemeinde selbst initiiert werden. Ein nicht unattraktives Modell ist jedoch, wenn Sendener Bürger in eigenem Willen „ das Schloss besetzen“, es zu ihrer Sache machen, auf der Basis der Gemeinnützigkeit Mittel nutzen, die Privatinvestoren unzugänglich sind.

Der Saat / die Gemeinde kann nicht alles leisten; der Ruf nach dem Staat ist Reflex, wenn etwas nicht klappt. Wie wär´s, wenn Bürger ihre Anliegen selbst in die Hand nehmen. Der Gemeinde wird’s guttun, auch finanziell; sie muss aber dann auch gewärtigen, dass eine (Bürger-) Stiftung u.U. nicht aktiv auf die Gemeinde angewiesen ist. Für Stiftungsbegehren besteht in Land und Bund eine etablierte organisatorische und politische Unterstützung von hoher Qualität.

Ein in einer Stiftungsbewegung gefasster Bürgerwille wäre auch deshalb für Senden wünschenswert, weil es wegen der Neubaugebiete am inhaltlichen Zusammenhalt in der Bevölkerung mangelt und ein kleiner soziologischer Bruch entstand. Nicht nur in verkehrstechnischer Hinsicht ist die „Anbindung“ der Neubaugebiete verbesserungsfähig. Eine neue Kultur- und Bürgereinrichtung bedroht nicht die etablierten Strukturen, es soll Niemandem etwas genommen werden. Aber auch die zunehmende Fraktion der dort nicht Aufgenommenen will hier in Senden eine Heimat finden. Eine Bürgerbewegung mit Kristallisationspunkt Schloss, bzw. Schlossentwicklung gibt ein Mehr an Identifikation, Integration und Aktivität. Senden ist nicht arm, Sendens Bürger sind nicht arm, aber Sendens innerer Zusammenhalt ist es.

Keine Steuergelder für das Schloss! meint Herr Grund in einem Leserbrief. Warum eigentlich nicht?
Wir haben nichts gegen die Rettung Griechenlands: sie ist notwendig. Wir haben nichts gegen den Soli (das Schloss in Jessen ist damit gerettet). Wir wollen nicht die nationale Karte ziehen – Gott bewahre - aber setzen eindeutig auf die regionale.

In der Zeit, wo unsere Steuermilliarden nur so in der Welt zu verpuffen scheinen, ist es da nicht doch erlaubt, sie auch hier einzusetzen? Das Geld ist da, die Etats für Bildung, Denkmalschutz und Regionalentwicklung sind bezahlt und müssen dafür – und nichts anderes - ausgegeben werden. Wenn sie nicht hier in Senden beansprucht werden, fließen sie eine andere Gemeinde. Haben wir es weniger verdient als andere? Tun wir ein gutes Werk, wenn wir darauf verzichten? Sind wir sicher, dass woanders besser mit Geld umgegangen wird als bei uns? Schafft nicht Arbeit im Kultur-Bildungs-Denkmalsbereich Arbeitsplätze? Das Geld verschwindet nicht in der Gräfte, es landet in der regionalen Wirtschaft!

In der Zeit, welche die Dimensionen zu sprengen scheint, wir Herausforderungen stehen müssen, aber nicht wissen wie; wo Grenzen verschwinden, Märkte und Mechanismen unüberschaubar werden, ist dringend eine Erdung erforderlich; Punkte in unserem eigenem Lebensfeld; Punkte, die
wir sehen, kennen und schätzen; Punkte, an denen man sich trifft. Die Regierungen haben das erkannt: um einer Weltverlorenheit entgegen zu wirken, gibt es die Regionalisierungsprojekte. Kultur, Bildung, Tradition vor Ort, das ist das, was das Schloss Senden für uns leisten kann. Das sind Werte, die mit einer Gewinn/Verlustdiskussion ganz anderer Art zu tun haben und deren Betrachtung mir hier in der Gemeinde fehlt. Steht die CDU nicht auch für eine Wertepartei; welche Werte?

Noch ein Punkt zum Schluss. Ein heikler Punkt. In mehreren Verlautbarungen im Blickpunkt und auch aus vielen persönlichen Gesprächen auf unseren Veranstaltungen kommt uns ein Thema entgegen, welches wir lange unterschätzt haben und uns allen als Wirkfaktor möglicherweise gar nicht so bewusst ist: es besteht offensichtlich ein tief verwurzeltes Ressentiment gegen das Schloss in der Stammbevölkerung. Nicht so sehr gegen das Gebäude selbst als ihre Bewohner und Besitzer. Ich will nur als ein Beispiel unter mehreren anführen, es schreibt Herr Mondwurf:“ Im Ergebnis kann es nicht sein, dass Steuergelder der Gemeinde für Versäumnisse des Eigentümers Verwendung finden.“

Auch ich bedauere schmerzlich die baulichen Versäumnisse früherer Besitzer. Historisch denkbar sind sicher auch Skepsis in der Bevölkerung gegen Herrschaft und Abhängigkeit von Grundbesitz. Sind hier alte Rechnungen im Spiel; wird hier ein langer Kampf um Grund- und Boden, Wirtschaftsmacht, Status und Dünkel (von beiden Seiten) fortgeschrieben? Jedenfalls nimmt man übel! Das hat mit einer rationalen Entwicklungspolitik nichts zu tun. Das ist Sumpf! So gesehen ist das Schloss noch mitten unter uns, und nicht wie zu lesen war, außerhalb. Nehmen wir es als eine Gelegenheit, dies zu überwinden, die Zukunft zu gewinnen. Die Gemeinde Senden ist durch die gewollten Baugebiete zahlenmäßig auf dem Weg eine Stadt Senden zu werden, aber auch von ihrer Statur? Und unsere Kinder werden fragen, warum gibt es im Münsterland so viele Orte mit einem Schloss (oder gar zwei), wir hatten doch auch mal eins?

Sehr geehrter, lieber Herr Hues,
um auf Ihre Einlassung zurückzukommen: wenn man dies alles so bedenkt, frage ich mich, wer hier in Senden eigentlich träumt. Ich appelliere an Sie, im Umgang mit der Schlossinitiative auf Diffamierung zu verzichten: Sie haben es nicht nötig, und wir haben es nicht verdient.

Mit den besten vorweihnachtlichen Grüßen
Dr. Jörg Plester
Am Mühlenbach 10
48308 Senden
Mitglied der Initiative Schloss Senden e.V. Dezember 2011

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