Nutzungskonzepte
Seit etwa vier Jahren gibt es in Senden eine Bürgerinitiative, die nach Lösungsmöglichkeiten sucht, den zunehmenden Verfall des Schloss Senden zu verhindern. Warum? Lohnt es überhaupt, über ein altes Gemäuer in dem sichtbar schlechten Zustand nachzudenken? Was soll damit angestellt werden? Wer könnte das bezahlen? Es stellen sich viele noch zu beantwortende Fragen.
Das Schloss Senden ist eines der letzten historischen Gebäude Sendens. Ohne Geschichte und Vergangenheit einer Kultur ist Gegenwart nicht zu verstehen, einem immer mehr drohenden Verlust von Bewusstsein von geschichtlichem Leben gilt es entgegen zu wirken. Unbestritten gehört das Schloss Senden zur Geschichte Sendens und „ist nicht nur ein Fakt“, sondern ein erlebbares Symbol unserer geschichtlichen Tradition. Aber wie damit umgehen? Einfach ignorieren und den weiteren Verfall abwarten wird unserer Verpflichtung für kommende Generationen nicht gerecht.
Ökonomisches Effizienzdenken darf dort nicht ausschließlich gelten, wo es um öffentliche und gemeinnützige Einrichtungen geht, was natürlich nicht verantwortungslosem Umgang mit öffentlichen Geldern das Wort redet.
Um die Fragen der Realisierbarkeit einer Rettung des Schlosses durch die Gemeinde Senden unter Abwägung aller Kriterien und Möglichkeiten zu klären, hat die Gemeinde ein Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnis noch nicht vorliegt. Woher wissen einige Ratsmitglieder jetzt schon, dass die Folgekosten unüberschaubar und daher das finanzielle Risiko für die Gemeinde z. Zt. nicht verantwortbar ist“? Warum nicht einfach vorurteilsfrei abwarten, was fundierte Untersuchungen ergeben?
Warum aber soviel Widerstand gegen das Schloss? Wo liegt der Unterschied zwischen z.B. Sportanlagen und übrigen Kultureinrichtungen?
Und wer Kultur vornehmlich mit runden Bällen und gestalteten Kunststoffschafen verbindet, mag bedenken, dass unter Kultur unser tägliches Miteinander zu verstehen ist, nämlich Kommunikation, Kreatives, Bildung und Soziales.
Kultur so verstanden weißt auf das Potential des Schlosses hin als Ort aus Vergangenheit, Gegenwart und für die Zukunft!
In Zeiten, in denen Pragmatismus und Effizienz Leitwerte sind, erfordern Visionen Phantasie und Mut und sind Ausdruck wirklich bewahrenden Denkens.
Michael Schmidt Am Winkelbusch 3, 48308 Senden
(veröffentlicht in den WN am 11.1.'12)